Informationsveranstaltung für Bürger aus Wolfratshausen und Geretsried am 27.01.2010 in der Loisachhalle
Moderator Herr C.C. Eick
Guten Abend meine sehr geehrten Damen und Herren,
zu unserer heutigen Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema Verlängerung S 7 von Wolfratshausen nach Geretsried begrüße ich Sie sehr herzlich.
Ich begrüße ebenfalls sehr herzlich den Landtagsabgeordneten, Herrn Martin Bachhuber, und die Stadträtinnen und Stadträte aus beiden Städten.
Diese Veranstaltung soll Ihnen einen umfassenden Überblick über den derzeitigen Sachstand in dieser Angelegenheit vermitteln.
Am 22. Januar 2010 teilt uns der bayer. Wirtschaftsminister, Herr Martin Zeil, in einem Schreiben mit, dass die Studie Vieregg/Rössler aufgrund der vorhandenen Mängel derzeit nicht in die Planungen einfließen können, diese aber in Fachgesprächen näher beleuchtet werden sollen, bevor die Möglichkeit bestünde eine evtl. vertiefte und mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim abgestimmte Studie in die Planungen der Deutschen Bahn einfließen zu lassen.
Auch wir waren mit dem nach gebessertem Ergebnis der Studie Vieregg/Rössler nicht glücklich, weil sie nach wie vor Bestandteile beinhaltet, die wir nicht akzeptieren können. Ein weiteres, klärendes Gespräch mit diesem Büro hat aber bisher noch nicht stattgefunden.
Was mich aber verwundert ist die Tatsache, dass unabhängig von evtl. weiteren Gesprächen mit Vieregg/Rössler an den Planungen der Trasse mit Beibehaltung des Bahnüberganges an der Sauerlacher Straße weitergearbeitet wird.
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Obwohl wir unsere Bürgerinnen und Bürger durch Presseerklärungen nach unseren Besuchen im Wirtschaftsministerium, durch Informationen in den einzelnen Stadtratssitzungen und auch durch Pressemitteilungen des Bayer. Wirtschaftsministerium sehr zeitnah über den jeweiligen Sachstand informiert haben, kam es immer wieder zu den verschiedensten Gerüchten, die dem Projekt sicher nicht zuträglich waren.
Da es aber offensichtlich viele interessierte Bürgerinnen und Bürger in beiden Städten gibt, die noch intensiver informiert werden wollen, haben beide Städte gemeinsam vereinbart, Ihnen, als betroffene Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit zu geben, nach dem Bericht der Fachplaner, Ihre Fragen an die auf diesem Podium sitzenden Fachleute zu stellen.
Dazu begrüße ich unsere Mitveranstalterin, Frau Bürgermeisterin Cornelia Irmer aus Geretsried sehr herzlich und freue mich, dass wir diesen Abend gemeinsam organisieren konnten.
Herrn Landrat Josef Niedermeier begrüße ich als Vertreter des gesamten Landkreises und freue mich, dass er unsere Einladung annehmen konnte und heute bei uns sein kann.
Ich darf Ihnen nun die anderen Teilnehmer hier auf diesem Podium vorstellen:
Mit seiner Teilnahme heute zeigt das bayer. Wirtschaftsministerium, dass dieses nun schon mehr als 30 Jahre alte Thema jetzt einen Planungsstand erreicht hat, den es bisher noch nie gab.
Herr Oberregierungsrat Patrick Kunkel, ich freue mich sehr, dass Sie heute Abend bei uns sind und sich selbst ein Bild machen können, was unsere Bürgerinnen und Bürger in diesem Zusammenhang auf dem Herzen haben.
Herr Kunkel wird im Anschluss an die Projekt-Vorstellung durch die Planer ein kurzes Resumee aus Sicht des Wirtschaftsministeriums geben.
Auch Herrn Kord Simons von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, als Leiter der Abteilung Infrastruktur begrüße ich sehr herzlich.
Ich darf Ihnen weiter vorstellen Herrn Klemens Kretzschmar vom Planungsbüro der DB, Herrn Wolfgang Schneider von der Firma INTRAPLAN, der die Nutzen-Kosten-Untersuchung gemacht hat und Herrn Konrad Daxenberger von der Firma Lahmeier, die mit der Streckenplanung beauftragt ist. Herzlichen Dank meine Herren, dass Sie heut Abend die Planung vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen.
Damit diese Veranstaltung auch so ablaufen kann, wie wir uns dies vorstellen, nämlich ruhig und sachlich, sicher auch emotional, aber auf keinen Fall polemisch haben wir uns um einen Moderator bemüht, der schon oft bewiesen hat, dass er dieses wichtige und sensible Mandat auch absolut beherrscht.
Ich freue mich sehr, dass wir als Moderator Herrn Carl-Christian Eick, den Redaktionsleiter von unserem Isar-Loisachboten gewinnen konnten.
Bevor ich aber nun das Wort an unseren Moderator weitergebe, der zu den Regeln des heutigen Abends noch einiges sagen wird, erlauben Sie mir noch einige Worte aus Sicht der Stadt Wolfratshausen zu diesem für uns alle so wichtigen Vorhaben.
Anschließend wird Frau Bürgermeisterin Irmer zu Ihnen sprechen, bevor wir die Fachleute um ihre Ausführungen bitten und ich Herrn Eick die Leitung dieser Veranstaltung übergebe.
Sowohl der Stadtrat von Geretsried, als auch der Stadtrat von Wolfratshausen haben durch ihre Beschlüsse bekräftigt, dass beide Städte eine Verlängerung der S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried in gedeckelter Unterquerung der Sauerlacher Straße begrüßen und im Sinne der Weiterentwicklung unserer Region für wichtig halten.
Diese Beschlüsse haben beide Städte und der Landkreis sowie alle 21 Gemeinden unseres Landkreises durch gesonderte Resolutionen bekräftigt, die dem Wirtschaftsministerium übergeben wurden.
Der Stadtrat der Stadt Wolfratshausen hat in seinem letzten Beschluss mit großen Mehrheiten nochmals festgelegt, die Verlängerung der S-Bahn nach Geretsried zu unterstützen, aber nur in dieser vorgenannten Form.
Ich denke, dass die Stadt Wolfratshausen in all ihren Beschlüssen immer wieder deutlich gemacht hat, dass sie für eine Verlängerung der S-Bahn ist, allerdings nicht um den Preis, dass die Stadt Wolfratshausen durch diese Verlängerung mehr Nachteile, als Vorteile hat.
Ich halte dies für absolut legitim und auch für jeden objektiven und fairen Betrachter sollte es verständlich sein.
Eine Schrankenlösung ist nach den Beschlüssen unseres Stadtrates für unsere Stadt nicht akzeptabel, nicht nur aus verkehrlichen Gründen, sondern auch aus Gründen der Behinderung unserer Rettungsfahrzeuge, bei denen der Erfolg oft in Minuten gemessen wird, (dass die tatsächlich so ist, wurde mir in einem Brief Anfang November 2009 von einem Wolfratshauser Bürger bestätigt dem durch die sehr schnelle Hilfe des Notarztes bei einem Vorwandherzinfarkt das Leben gerettet werden konnte, das bei einer geschlossenen Schranke und der damit verbundenen Wartezeit des Notfallfahrzeuges nicht mehr möglich gewesen wäre).
Dazu kommt noch die Fußgängerdrückampel mit einer Rotphase von jeweils 29 Sekunden und einer anschl. Sperre von 31 Sek. pro Minute, die für Rettungsfahrzeuge ohne negative Bedeutung ist, allerdings beeinträchtigt sie deutlich den Kfz-Verkehr
Gegenüber der ursprünglichen Planung mit rd. 24,5 Minuten Schrankenschließzeit pro Stunde hat sich die Schrankenschließzeit nun pro Stunde nach neuesten Berechnungen der Planer auf insgesamt 12 Minuten reduziert. Aber auch hier kommen noch die Schließzeiten durch die Fußgängerdrückampel hinzu.
Wir sollten dabei nicht vergessen, dass uns die Schrankenschließzeiten nicht nur eine Stunde, sondern mindestens 10- 14 Stunden pro Tag beeinträchtigen.
Den Bau und die Finanzierung eines Fußgänger- und Fahrradtunnels in der Sauerlacher Straße mit einem Kostenaufwand von € 2 Mio. oder mehr, kann die Stadt Wolfratshausen nicht schultern.
Als Bürgermeister von Wolfratshausen weiß ich sehr wohl, dass es Regeln gibt, die einzuhalten sind und eine öffentliche Bezuschussung für eine Maßnahme, die den geforderten volkswirtschaftlichen Nutzenfaktor von mindestens 1,0 nicht erreicht, nicht aus den dafür vorgesehenen Töpfen möglich ist.
Ich würde mir aber wünschen, dass Möglichkeiten gefunden werden, die Verlängerung der S 7 nach Geretsried in der von der Stadt Wolfratshausen geforderten Art und Weise auch dann öffentlich zu finanzieren, wenn der NKI von mind. 1 nicht erreicht wird.
Wenn man die letzten Monate Revue passieren lässt, dann gibt es offensichtlich immer wieder Möglichkeiten außerordentliche Finanzierungen für besondere Fälle darzustellen.
Die S-Bahn-Verlängerung ist so ein besonderer Fall, nämlich Investition in eine Region, die in der Vergangenheit nur selten bedacht wurde, und der man die dringenden Expansions-möglichkeiten nicht von vornherein einschränken sollte.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ein Projekt von so weit reichender Bedeutung muss aber für alle Beteiligten deutlich mehr Vor- als Nachteile bringen, nur dann ist es wirklich sinnvoll.
Die Stadt Wolfratshausen ist grundsätzlich bereit die Verlängerung der S-Bahn nach Geretsried zu unterstützen – dies haben wir durch mehrere Stadtratsbeschlüsse, die mit großer Mehrheit gefasst wurden, bewiesen, auch schon zu einer Zeit, als die Schrankenlösung von den Planern noch als nicht zulässig bezeichnet wurde.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Es ist zweifellos auch für Wolfratshausen wichtig, eine positive Entwicklung unserer gesamten Region zu fördern, denn Wolfratshausen ist ein wichtiger Teil der Region.
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass man bei objektiver Betrachtung der Sachlage unsere Befürchtungen versteht.
Da ich davon ausgehe, dass im Laufe der weiteren Veranstaltung noch einzelne Details von Ihnen nachgefragt und von unseren Fachleuten beantwortet werden sollen, will ich nun meine kurzen Ausführungen beenden, stehe Ihnen aber – wie alle anderen Podiumsmitglieder - bei der anschließenden Diskussion gerne für weitere Fragen zur Verfügung.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und übergebe nun das Wort an meine Kollegin, Frau Bürgermeisterin Irmer, für ihr kurzes Statement, anschließend wird Herr Eick, als Moderator die weitere Leitung übernehmen.
Am Montag, 11.01.2010 war es wieder soweit. Eine Delegaton aus Wolfratshausen ( 1. Bgm. Helmut Forster,2. Bgm. Peter Plössl, 3. Bgm. Christine Noisser und Bauamtsleiter Dieter Lejko) und eine Delegation aus Geretsried (1. Bgm. Cornelia Irmer, 2. Bgm. Gerhard Meinl und 3. Bgm. Robert Lug) trafen sich im Bayer. Wirtschaftsministerium mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums und den verschiedenen mit der Planung der Verlängerung beauftragten Firmen, um die von den beiden Städten beauftragte Studie zur Optimierung der Unterquerung der Sauerlacher Straße durch die S-Bahn zu besprechen. Mit anwesend waren auch die Ersteller der Studie, die Herren Vieregg und Rössler.
In einer sehr sachlichen Gesprächsrunde stellten die Herren Vieregg und Rössler ihre Studie den anwesenden Fachplanern vor. Dabei stellte sich heraus, dass diese Studie in einigen Bereichen noch einige Defizite aufweist. So wurde z.B. der Vorschlag, das Industriegleis in Wolfratshausen aufzulassen, das S-Bahn-Gleis als Industriegleis zu nutzen und vor der Einfahrt nach Geretsried-Nord über die B 11 mit Ampel auf das dort verlaufende Industriegleis zu verlegen, vom Vertreter des Straßenbauamtes kategorisch abgelehnt.
Von der Stadt Wolfratshausen wurde ebenso klar abgelehnt, die Königsdorfer Straße in Höhe des Bahngleises um 2 m anzuheben, weil damit weder die dortige Wohnbebauung, noch die in de Nähe befindlichen Geschäfte verkehrstechnisch angebunden werden können.
Außerdem ist die von Vieregg/Rössler vorgesehene Unterquerung der Sauerlacher Straße nicht in der angedachten Form möglich, weil die erforderliche Tiefenlage nicht erreicht wurde. Da es sich bei diesen Punkten um wesentliche Kostenfaktoren handelt, die damit nicht so eingespart werden können, wie in der Studie vorgesehen, wurde das Büro Vieregg/Rössler beauftragt, Nachbesserungen in ihrer Studie vorzunehmen, die den vorgeschriebenen Regeln entsprechen.
Diese Nachbessereung wurde zugesagt, damit realistische Vergleiche zwischen den Planungen der Bahn und der Studie Vieregg/Rössler möglich sind. Das Büro Vieregg/Rössler hat sich unserer Auffassung angeschlossen, dass diese Nachbesserung zu dem ursprünglichen Auftrag der beiden Städte gehören und deshalb keine weiteren Kosten für diese Nachbesserungen anfallen dürfen.
Dies bedeutet, dass wir uns etwa 2 - 3 Wochen gedulden müssen, bis diese Arbeiten vom Büro Vieregg/Rössler erledigt werden und erst danach ein konkreter Vergleich mit den biherigen Planungen der DB möglich sein wird. Erst dann werden wir wissen, ob und wie hoch evtl. Einsparpotentiale realisiert werden können.
Ich gehe aber davon aus, dass es außerordentlich schwierig sein wird, den NKI von derzeit 0,74 durch aufgezeigte Veränderungen in der Studie Vieregg/Rössler auf den für eine mögliche öffentliche Finanzierung erforderlichen NKI von mind. 1,0 anzuheben.
Wir werden Sie aber auf alle Fälle zeitnah über entsprechende Ergebnisse informieren.
Helmut Forster
1. Bürgermeister
Der Stadt Wolfratshausen
Bürgermeister Helmut Forster am 09.12.2009 im Interview mit Alexandra Vecchiato von der SZ:
"Die Stadtratsbeschlüsse sind bindend"
SZ:
Herr Forster, Sie stecken in einem Dilemma.
Forster:
Als Dilemma wurde ich es nicht bezeichnen.
SZ:
Aber als Bürgermeister müssen Sie einerseits die Interessen Ihrer Stadt wahrnehmen, andererseits blickt die gesamte Region auf Sie und Wolfratshausen nach dem Ja für die Schrankenlösung.
Forster:
In erster Linie bin ich als Bürgermeister meiner Stadt verpflichtet. Das hat oberste Priorität für mich.
SZ:
Nach der Vorstellung des Ergebnisses der Nutzen-Kosten-Analyse am Montag in München - wie geht es jetzt weiter?
Forster:
Ich habe am Montag die Fraktionssprecher im Stadtrat verständigt, die vermutlich den Ausgang der NKU schon in den jeweiligen Fraktionssitzungen am Abend thematisiert haben. In der nächsten Zeit werden wir uns zusammensetzen und über alles Weitere sprechen müssen. Vielleicht in einer gesonderten Stadtratssitzung oder als Punkt in einer regulären - das steht noch nicht fest.
SZ:
Könnte das noch in der Dezember-Sitzung erfolgen?
Forster:
Nein, das wäre zu kurzfristig. Schließlich müssen die Stadträte die NKU erst einmal durcharbeiten. Zudem bin ich nicht der Meinung, dass wir unter zu großem Zeitdruck stehen. Es handelt sich schließlich um eine weitreichende Entscheidung.
SZ:
Wird der Stadtrat die Schrankenlösung doch noch gut heißen?
Forster:
Es gibt bestehende Beschlüsse zur Schranke an der Sauerlacher Straße und es gibt derzeit keinen Grund, sich nicht mehr an diese zu halten. Sie sind bindend. Ich stehe voll und ganz dahinter.
SZ:
Bedeutet das, Wolfratshausen akzeptiert das Ergebnis der NKU nicht?
Forster:
Wir haben das Ergebnis zur Kenntnis genommen, nicht mehr und nicht weniger. Es ist natürlich nicht so ausgefallen, wie wir es uns gewünscht haben.
SZ:
Bei der Präsentation am Montag kam zur Sprache, dass die Kommunen die Vertiefung des Gutachtens von Vieregg & Rössler zahlen müssten. Das Gutachten hat große Einsparmöglichkeiten aufgezeigt, ihm fehlt aber auch laut Wirtschaftsministerium die nötige Planungstiefe. Hat die Stadt Geld, eine weitere Ausarbeitung zu zahlen"!
Forster:
Zunächst einmal werden wir das Gutachten in kleiner Runde im Januar diskutieren. Das hat uns Wirtschaftsminister Martin Zeil angeboten. Wir haben nicht die fachliche Qualifikation, um zu beurteilen, ob es sinnvoll ist, das Konzept zu vertiefen. Das müssen wir im Gespräch mit den Planern der Bahn herausfinden. Es gibt Punkte in dem Gutachten, über die ich nicht sehr glücklich bin; andere wiederum sollten nochmal besprochen werden.
SZ:
Was gefällt Ihnen zum Beispiel nicht?
Forster:
Die Anhebung der Königsdorfer Straße um zwei Meter oder der Halbtrog am Bahnhof.
SZ:
Welche Stellschrauben gibt es denn, um das Ergebnis der NKU noch im Sinne der Wolfratshauser ändern zu können?
Forster:
Es muss schon massive Änderungen geben, um noch was zu bewegen. Ich bin der Meinung, dass über den Erhalt des Industriegleises nach Geretsried nochmal gesprochen werden muss. Die Firma Dystar scheint es nicht mehr zu brauchen, mit Tyzcka müssen Gespräche geführt werden. Der Wegfall dieses Gleises hätte sicher deutliche Auswirkungen auf die Kosten. Ansonsten halte ich es für äußerst schwierig, den Faktor 0,74 für die Variante mit der Tieferlegung der S-Bahn an der Sauerlacher Straße über 1,0 zu bringen.
SZ:
Wenn alles so schwierig ist, was bringt es dann noch, Gespräche zu führen?
Forster:
Ich bin der Meinung, dass der Freistaat – wenn es sich beim Ausbau schon um ein Jahrhundertprojekt handelt – andere Fördermöglichkeiten auf tun muss, um einen Trog doch noch zu finanzieren. Der Süden Münchens wurde in den vergangenen Jahren kaum gefördert. Es muss Wege geben, die Finanzierung zu gewährleisten.
SZ:
Klingt so, als ob sich Wolfratshausen stur stellen würde.
Forster:
Wir sind nie stur. Wir haben nun mal Beschlüsse, die aus Überzeugung getroffen worden sind. Auf alle Fälle will ich die Bürger umfassend bei der Bürgerversammlung im Februar informieren. Dann sehen wir, was die Mehrheit zur Schranke sagt.
SZ:
Hat Minister Zeil einen Zeitplan genannt?
Forster:
Er will umgehend die Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag geben. Wann das Planfeststellungsverfahren beginnt, ist nicht gesagt worden.
SZ:
Jetzt heißt es: Farbe bekennen. Bleibt die Stadt Wolfratshausen beim Nein zur Schranke?
Forster:
Das kann passieren.
SZ:
Auch wenn sie dann den Schwarzen Peter hat?
Forster:
Den lasse ich uns nicht zuschieben. Es kann nicht sein, dass Wolfratshausen mehr Nachteile als Vorteile aus solch einem Projekt hat. Die S-Bahn-Verlängerung soll zur Modernität beitragen, aber eine Schranke ist ein Vehikel aus dem vorigen Jahrhundert. Im Übrigen geht es auch um die Sicherheit unserer Rettungs- und Einsatzkräfte, die durch eine Schranke nicht gewährleistet werden kann.
Stimmen aus der Fraktion:
Josef Praller (Fraktionsvorsitzender)
Die Schranke war nie eine Lösung und wird nie eine werden. Daran ändern auch "weichgespülte Schrankenschließzeiten" nichts. Ein beschrankter Bahnübergang ist keine zukunftsfähige Perspektive für Wolfratshausen.
Peter Ley (Haupt- und Finanzausschuß)
Ich werde die Bürgervereinigung nicht ins Gebet nehmen, um sie von der Schrankenlösung zu überzeugen. Wolfratshausen wird eine Schrankenlösung nicht vertragen. Der Stadtrat habe mit deutlicher Mehrheit seine Ablehnung zum Ausdruck gebracht, im Augenblick gebe es keine Veranlassung an diesem Stadtratsbeschluss zu rütteln. Ley sieht die Staatsregierung in der Pflicht: Wer von einem für das Mittelzentrum und den Landkreis unverzichtbaren Jahrhundertprojekt spreche, der muss sich auf die Hinterbeine stellen.
Helmut Forsters Gespräch im Wirtschaftsministerium am 14.01.09
Besprechung im Bayer. Wirtschaftsministerium wegen der Vorstellung der NKU-Ergebnisse zur geplanten Verlängerung der S-Bahnlinie 7 von Wolfratshausen nach Geretsried.
Am 14.01.2009 um 16.00 war es soweit. Der Wirtschaftsminister bat Herrn Dr. Stoiber, Herrn Landtagsabgeordneten Bachhuber, Herrn Landrat Niedermeier und die Bürgermeister der Städte Wolfratshausen und Geretsried zu einem Gespräch in das Wirtschaftsministerium nach München.
Bei diesem Gespräch, bei dem neben dem Wirtschaftsminister und seinen Mitarbeitern auch Vertreter der Bahn und des Planungsbüros anwesend waren, stellte zunächst der mit der Planung beauftragte Ingenieur nochmals die untersuchten Trassen und die dafür anfallenden Kosten vor.
Herr Schreiner von der Firma INTRA – Plan stellte dann die Kurzfassung der NKU-Berechnung allen Anwesenden vor.
Sowohl Herr Dr. Stoiber, als auch Herr Bachhuber, Herr Niedermeier, Frau Irmer, Herr Forster, Herr Plößl, Frau Noisser und Herr Lug stellten eindeutig klar, wie wichtig die Verlängerung der S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried für die Entwicklung der gesamten Region, sowohl in wirtschaftlicher, als auch in ökologischer Hinsicht und auch für der Lebensqualität der dort lebenden Menschen ist.
Gleichzeitig erklärten alle Anwesenden aus dem Landkreis, den Städten und auch Herr Dr. Stoiber und Herr Bachhuber einmütig, dass die Verlängerung der S-Bahn unabdingbar die Unterquerung der S-Bahn in gedeckelter Form unter der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen voraussetzt.
Herrn Minister Zeil war bis zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nicht bekannt, dass dies die einzige von Allen akzeptierte Variante der Verlängerung darstellt.
Als Herr Schreiner dann die Ergebnisse seiner Berechnungen vorstellte, war zunächst bei allen Beteiligten die Überraschung sehr groß, dass keine der in die Berechnung eingeflossenen Querungen der Sauerlacher Straße den für die öffentliche Förderung unbedingt erforderlichen Faktor von mindestens 1,0 erreicht hat.
Die höhengleiche Querung der S-Bahn (Schrankenlösung) = Faktor 0,85,
die Tieferlegung der Sauerlacher Straße = Faktor 0,81,
die Tieferlegung der S-Bahn unter die Sauerlacher Straße = Faktor 0,60.
Aus Überraschung wurde bei den Teilnehmern Enttäuschung, da damit aufgrund dieser Ergebnisse, die Verlängerung der S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried gescheitert schien.
Herr Minister Zeil erklärte dazu, dass nach seinen Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium des Bundes „der Aktendeckel“ trotzdem noch nicht zugeschlagen wird.
Die Beteiligten müssten sich unisono eindeutig für die Verlängerung einsetzen und die Finanzierung müsste – wie auch immer – möglich gemacht werden.
Wir werden uns weiter für die Verlängerung mit Unterquerung der S-Bahn in gedeckelter Form unter der Sauerlacher Straße einsetzen und die uns von Herrn Minister Zeil zugesagten ausführlichen Berechnungsunterlagen intensiv nach Einsparpotentialen untersuchen.
Es wird sicher nicht einfach, aber wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das „Jahrhundertwerk“ nicht scheitern zu lassen.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Landrat, den Bürgermeistern beider Städte und Mitarbeitern aus den Fachabteilungen werden – nach Übersendung der endgültigen, ausführlichen Berechnungsunterlagen - in den nächsten Wochen intensiv daran arbeiten.
Wolfratshausen, im Januar 2009
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