Der Stadtrat der Stadt Wolfratshausen hat in seiner letzten Sitzung im alten Jahr, am 15.12.2009, auf Vorschlag des 1. Bürgermeisters Helmut Forster einstimmig beschlossen, Frau Veronika Daffner zur Familienbeauftragten der Stadt Wolfratshausen zu bestellen. Von Seiten des Amtes für Jugend und Familie des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen wurde am 15.06.2009 mit einer halben Vollzeitstelle des eine Fachstelle Familienförderung eingerichtet.
Das Ziel der Fachstelle ist es, die Angebote der einzelnen Städte und Gemeinden an die Familien im Landkreis zu vernetzen, neue zu entwickeln und einen gleichberechtigten Zugang für alle Familien zu ermöglichen.
Eltern sollen hier im Amt für Jugend und Familie erfahren können, was der Landkreis für Familien leistet. Hierzu ist es nötig, dass ein Mietglied des Stadtrates als Ansprechpartner benannt wird.
Aufgabe der Familienbeauftragten ist also eine Mittlerposition zwischen Eltern und Jugendamt, Stadtrat und Eltern sowie Eltern und Verwaltung.
Die Verwaltung, die Vereine (z.B. Jugendförderverein, Caritas) und die Kirchen unterstützen die Familienbeauftragte vor ORt bei ihrer Tätigkeit, durch entsprechende Betreuungsangebote vor Ort.
Wir wünschen Frau Veronika Daffner für ihre neue, zusätzliche, ehrenamtliche Tätigkeit viel Spass und Erfolg.
In einem Interview stellt die BVW-Politikerin sich und ihre Ziele vor. Von Elke Summer (Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur) Frau Daffner, wie definieren Sie selbst Ihr neues Amt? Als Familienbeauftragte bin ich Ansprechpartner für Familien. Wenn Familien Sorgen haben, und ich weiterhelfen kann, werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um sie zu unterstützen. Ich helfe gern.
Mit welchen Problemen können sich Betroffene an Sie wenden? Das können innerfamiliäre Konflikte sein wie zum Beispiel in Trennungssituationen. Auch bei Schulsorgen oder Wohnungsproblemen werde ich versuchen, die Betroffenen an Beratungsstellen weiterzuvermitteln. Wenn ich selbst eingreifen kann, werde ich das natürlich tun. Manchmal akzeptieren Betroffene einen Rat von außen eher. Man hört dann eher auf die die Tipps einer Institution als auf die Ratschläge von Partner und Eltern.
Not geht nicht gerne hausieren. Glauben Sie nicht, dass die Hemmschwelle groß ist, sich Hilfe zu holen. Doch. Dennoch hoffe ich, dass die Betroffenen den Mut finden, sich zu melden und sich helfen zu lassen.
Welche Nöte drücken die Familien in Wolfratshausen am meisten? Ich denke, dass die finanzielle Situation in manchen Familien das größte Problem ist. Viele sind von Arbeitslosigkeit bedroht, oder wissen nicht, wie sie mit ihrem geringen Verdienst ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Oft haben Vater oder Mütter auch nur befristete Zeitverträge, die es unmöglich machen, auf lange Sicht finanziell zu planen. Dass in Wolfratshausen die Wohnungsnot ein aktuelles Thema ist, glaube ich nicht.
Ist Wolfratshausen familienfreundlich? Ja. Wir haben ein gutes Angebot an Kindergärten und bauen die Krippenplätze, Horteinrichtungen und Ganztagesbetreuung weiter aus.
Der Kinder- und Jugendförderverein leistet dazu welchen Beitrag? Einen großen. Ich bin selbst seit einem Jahr Mitglied und habe mich davon überzeugt, dass die Kinder- und Jugendarbeit in wenigen Kommunen so gut funktioniert wie in Wolfratshausen. Es ist bedauerlich, dass wir in diesem Bereich sparen müssen, aber anderen Kommunen geht es noch viel schlechter. Ich glaube manchmal, wir jammern auf hohem Niveau.
Werden Sie als Familienbeauftragte auch von sich aus aktiv? Ich überlege mir, Schulen und Kindergärten direkt zu kontaktieren, um herauszufinden, ob ich in meiner Funktion in irgendeiner Weise helfen kann. Außerdem habe ich mir vorgenommen, das Frauenhaus zu besuchen und mit dem Team dort in Kontakt zu treten.
Können Sie auch politisch Einfluss nehmen? Ja, zum Beispiel durch meine Arbeit im Bauausschuss. Ich kann Einfluss auf familiengerechte Planung nehmen, zu der meines Erachtens auch ein Platz für Kinderwagen oder Fahrradständer für Kinderräder gehören.
Ihre eigene Tochter ist längst erwachsen. Jetzt betreuen Sie Pflegekinder? Derzeit sind es zwei Buben im Alter von sechs und sieben Jahren, die manchmal am Wochenende bei mir sind. Sie leben bei Pflegeeltern, die samstags arbeiten müssen. Mit den Buben backe ich Plätzchen, gehe schwimmen oder unternehme Radltouren. Vor vielen Jahren habe ich ein Geschwisterpaar betreut, deren Eltern wegen eines Wirtschaftsdeliktes im Gefängnis waren. Die Kinder lebten im Waisenhaus in Rosenheim und ich habe sie jedes Wochenende zu mir geholt. Das hat mir Spaß gemacht, denn wie schon gesagt: Ich helfe gern.
Herzliche Grüße
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